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Portal > Foren > Offtopic > Plauderecke > Konsumverhalten - soziale und moralische Verantwortung
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Alt 13.09.2007, 16:39   Nach oben    #21
Ben
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Harter Tobak. Da muss ich erstmal drüber nachdenken.

Also ich stimme Martin, wie auch Basti zu. Auf der einen Seite kann man sicherlich nicht jeden Kauf unter Berücksichtigung der Unternehmenspolitik des jeweiligen Anbieters abwägen. Auf der anderen Seite könnte man aber bei langfristig geplanten Anschaffungen, wie in meinem konkreten Fall nun auch, zumindest darauf achten, dass man nicht gerade beim "Satan persönlich" zum Kunden wird.

Sollte das dann letztlich aufgrund von mangelnden Informationen doch passiert, ist das halt so.
Hm, wie gesagt. Ich muss Bastis Schreiben erstmal sacken lassen.
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Alt 18.09.2007, 16:33   Nach oben    #22
Ben
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Soderle, hab nicht viel Zeit, aber hab mal drüber nachgedacht.

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Wenn du es für eine realistische Einschätzung hältst, dass sich Gesellschaften nicht verändern, verändern können, auch in kürzester Zeit, dann lad ich dich ein, dich mal mit alten Menschen zu unterhalten.
Das habe ich so nicht gemeint. Ich denke, dass es in der Gesellschaft, in der wir leben nicht zu einer solchen Änderung kommen kann, weil wir viel zur sehr durch medienwirksamen Konsumwahnsinn in die andere Richtung getrieben werden.
Wenn sich da eine Gruppe findet, die etwas dagegen tun möchte, eventuell sogar eine Partei, dann wird sich diese gegen die Übermacht aus Politik und Wirtschaft nicht durchsetzen können.

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Und nicht nur technologisch, sondern auch gesellschaftlich hat sich unglaublich viel verändert.
Das ist korrekt, allerdings muss man hier auch die Frage stellen, in welche Richtung es sich verändert hat. Es ist ja nicht alles schlechter und auch nicht alles besser geworden. Nur in manchen Bereichen, wie z.B. dem Konsummarkt, ist es in meinen Augen irgendwie ... etwas abwärts gegangen.
Nun gut, ich bin '82 geboren und war nie so der große Konsument. 2 Jeans in 4 Jahren oder ab und zu mal neue Adidas Samba. Mehr war und ist bei mir standardmäßig nicht drin.
Somit bin ich auch nicht derjenige, der das am besten beurteilen kann. Nichtsdestotrotz denke ich, dass z.B. auch die Werbeeinheiten im abendlichen TV von "damals" 3 auf derzeit ca. 8 Minuten gesteigert wurden und das man hier doch recht gut sieht, wie man andauernd der Werbung und somit dem Konsumgut an sich ausgesetzt ist.

Equilibrium lässt grüßen.

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Das gilt es sich einfach mal klar zu machen. Wenn an der Tür eines Geschäfts ein Hakenkreuz angebracht wäre würdest du da niemals reingehen, oder? Aber wenn dieses Unternehmen einfach ohne Flagge und Symbol über Laichen geht ist es uns Wurscht - immerhin sparen wir ja ein paar Euro.
Hier hinkt der Vergleich aber Basti. Wenn ich nun kein Hakenkreuz an der Tür hängen würde und ich nicht wüsste, dass das Unternehmen rechtsradikales Gedankengut verbreitet bzw. damit ihren Umsatz macht .. dann kann das schon mal vorkommen, dass ich dort einen Schokoriegel kaufe.

Wenn an der Tür eines Unternehmens steht "für unsere Kleider mussten im Jahr 2006 leider 12 Kinder ihr Leben lassen" würde ich da auch nicht reingehen!

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Ich höre schon die Empörung über diesen Vergleich, aber so ist es doch, oder nicht?
Empörung nicht, aber wie gesagt: Der Vergleich ist in meinen Augen nicht ganz korrekt.

Ich stimme dir ja vollkommen zu. Deine Ausführungen unterschreibe ich sofort. Aber dann frage ich dich jetzt ganz konkret: Hast du noch nie Benzin getankt? Nie Strom gekauft? Nie 'ne Blue-Jeans made in Taiwan angehabt? Nie einen "schwedischen"-Schrank aufgebaut? Nie einen Akkuschrauber der Marke Bo... ich komm gerade nicht auf den Namen in der Hand gehabt?

Was meinste, wo die Sachen hergestellt werden?
Weißt du, wie das dort abgeht?

Ich will damit nur sagen, dass man sich nicht gegen alles wehren kann, was du aufgezählt hast, weil man sonst selbst hier in Deutschland gar nicht mehr leben kann! (bisschen übertrieben, ich weiß)


Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Aber … ich will halt lieber ein bisschen Luxus haben.
Das ist genauso wie "schmeiß dein Essen nicht weg, in Afrika hungern Kinder".

Zitat:
Dann schick das Essen doch per Post nach Afrika
Sinngemäßes Zitat aus "Crime is King - 3000 nach Graceland"

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Du hast noch keine Kinder, denen du irgendwann mal Antwort stehen musst, was für eine Welt du mitgetragen hast.
Und wenn ich welche hätte, dann müsste ich ihnen auch erklären, warum wir nie in Urlaub fahren können und warum ich das ganze Geld für teure Alternativen mit vermeindlich reinem Gewissen ausgebe, anstatt endlich mal an die Ostsee zum Schwimmen zu fahren!

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Dieses blödsinnige Gelaber von der großen Freiheit und dass jeder nur für sich selbst die Verantwortung trägt ist einfach eine Illusion. Jeder trägt seinen Teil dazu bei und ich muss den Scheiß jeden Tag mittragen, den verdammt viele Leute jeden Tag um mich rum fabrizieren, weil es ihnen einfach scheißegal ist und sie sich nicht mit den Folgen ihres Tuns in Verbindung setzen, sich nicht als Teil einer Gemeinschaft begreifen, sondern einfach ihr Ding durchziehen.
Korrekt. Ich bin auch mit vielen Sachen nicht zufrieden. Aber bei mir sind es eventuell andere, als bei dir (wäre ja auch komisch, wenn das nicht so wäre). Will damit sagen, dass jeder seine Prioritäten an anderen Stellen hat, so dass dann solche Diskussionen hier entstehen, die eigentlich kein Ende haben.

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
aber wenn jemand sagt, dass es ihm scheißegal ist, dass ihm seine 2 Euro Luxus wichtiger sind, als die Frage, wie viel Dreck sein Geschäftspartner oder Dienstleiter etc. am Stecken hat, dann werde ich das nicht einfach als andere Meinung stehen lassen, sondern an den Pranger stellen.
Ich habe nicht gesagt, dass es mir scheißegal ist. Ich habe gesagt oder aussagen wollen, dass ich es nicht einsehe vor jeder Entscheidung erst die Firmenpolitik des Unternehmens unter die Lupe zu nehmen. Das ist einfach nicht machbar und das sehe ich einfach nicht ein und stelle dieses Vorgehen als illusorisch an den Pranger.

Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Was müssen diese Menschen erleben oder was braucht es, damit sie ihren Horizont erweitern können?
Zitat:
Broad your mind .. there are so many fantastic things you haven't seen yet

Ich erweitere meinen Horizont mit jeder Diskussion! Demnach fühle ich mich von dir nun gar nicht angesprochen!

Nunja, ich find deine Einstellung sehr respektabel, finde sie aber für mich und mein Leben nicht umsetzbar.

Hoffe, dass ich dir zeigen konnte, dass ich nicht einer von denen bin, die sich gar keine Gedanken um das Leben und Co. machen!

Grüße, Ben.
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Alt 18.09.2007, 17:29   Nach oben    #23
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Hi Ben (und ihr anderen).

Zitat:
Zitat von Ben Beitrag anzeigen
Zitat:
Zitat von Basti Beitrag anzeigen
Das gilt es sich einfach mal klar zu machen. Wenn an der Tür eines Geschäfts ein Hakenkreuz angebracht wäre würdest du da niemals reingehen, oder? Aber wenn dieses Unternehmen einfach ohne Flagge und Symbol über Laichen geht ist es uns Wurscht - immerhin sparen wir ja ein paar Euro.
Hier hinkt der Vergleich aber Basti. Wenn ich nun kein Hakenkreuz an der Tür hängen würde und ich nicht wüsste, dass das Unternehmen rechtsradikales Gedankengut verbreitet bzw. damit ihren Umsatz macht .. dann kann das schon mal vorkommen, dass ich dort einen Schokoriegel kaufe.

Wenn an der Tür eines Unternehmens steht "für unsere Kleider mussten im Jahr 2006 leider 12 Kinder ihr Leben lassen" würde ich da auch nicht reingehen!
Natürlich hinkt der Vergleich, ist ja klar. Aber für mich nicht so sehr in dem von dir angesprochenen Punkt, denn auch im 3. Reich haben alle Leute gesagt, sie hätten ja von nichts gewusst. Und es ist doch bei uns auch so: Wir wissen es ganz genau, dass unser Wohlstand letztlich auf Sklaverei (oder nenn es wie du willst) und der endgültigen Vernichtung unzähliger Arten, sowie der Inkaufnahme beruht, dass unsere Kinder oder deren Kinder oder deren Kinder die letzte Generation Mensch auf diesem Planeten sein werden. Wir wissen das doch alles. Und wir haben Zugang zu den Informationen, auch wenn da natürlich vieles widersprüchlich ist und man sich mit einem Feierabend-Aufwand nur ein lückenhaftes Bild erarbeiten kann. Aber das Bild reicht allemal, um zu sehen dass da was ganz gehörig schief läuft.

Der Punkt ist also nicht der, dass uns die Information (das Schild an der Tür) fehlt, sondern der, ob wir diese überhaupt sehen wollen, wahr haben wollen, glauben wollen, ernst nehmen wollen. Wir müssten ja theoretisch die Konsequenzen tragen, wenn wir die Augen aufmachen. Die Tragik daran ist nur eben, dass sich die Illusion der heilen Welt sich ja längst also solche entpuppt hat, wir also um die Verantwortung des Wissenden nicht mehr umhin kommen, die wundervolle Unwissenheit einfach vorbei ist.

Ben, ich bin nicht der heilige St. Bastian, der alles "richtig" macht. Auch ich lebe ja genau in diesem Spannungsfeld, kaufe mir Klamotten bei … und so weiter und so fort.

Aber ich setze auch in vielen Bereiche meines Lebens Maßstäbe, die mich natürlich einen guten Teil "Wohlstand" oder "Luxus" kosten - aber eben auf der anderen Seite auch nicht, denn was wäre denn ein größerer Wohlstand, als sagen zu können "ich hab alles mehr oder weniger richtig gemacht".

Ich sehe einfach die immensen Ausmaße und scheue von daher auch nicht den Vergleich mit dem Holocaust. Das muß einfach aufhören! Wir müssen uns verändern, wir alle, jeder einzelne von uns.

Wäre es nicht fein, wenn China und Indien nicht auch den gleichen Weg einschlagen würden bzw. ihn bis zu dem Punkt gehen würden, an dem wir sind, weil wir inzwischen nachhaltige Konzepte des Lebens entwickelt haben, mit denen wir dennoch den Luxus eines guten Lebens haben?

Das hat einfach keine Zukunft, wenn wir nichts verändern. Und das krasse ist ja, dass wir nicht ein klar definiertes Feindbild wie eine Partei oder einen Konzern haben, sondern letztlich eine Art und Weise, wie wir durch die Welt gehen, wie wir denken und handeln. Ein "Gegner", der in uns allen drinnen steckt! (Hierin vor allem hinkt mein Vergleich oben, aber vielleicht auch doch nicht)

Aber genau dort ist doch auch die Chance, denn niemand von uns will doch, dass Kinder dazu gezwungen werden, unsere Möbel zu bauen, dass diese oder jene Tierart für immer verschwindet, dass es bei uns bald auch im Sommer Minusgrade haben wird, dass die Leute Amok laufen, weil man ihnen ihre Kultur nimmt usw.

Ich denke, es gibt Modelle und Wege, von diesem Trip sanft zu landen. Der Verzicht, den wir leisten müssen, ist doch ein unwesentlicher. Das, was uns wirklich nährt, das finden wir doch ohnehin nicht, wenn wir den Pfaden der Gier, der Ignoranz und Isolation folgen. Was also gibt es zu verlieren?

Basti

Geändert von Basti (18.09.2007 um 17:32 Uhr).
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