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Alt 08.02.2007, 22:39 Nach oben    #1
Der Student
 
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Standard Bund oder Zivildienst?

Hey ich möchte mal zu nem neuen Thread anregen. Da ich durch ne Diskussion mit ner Freundin wieder aufs Thema gekommen bin.

- Wie würdet oder habt ihr euch entschieden, Bund oder Zivildienst?

- Was sind eure Gründe dafür? Habt ihr vlt. auch Gründe gegen eure Entscheidung? Dürfte ja nicht nur Argumente für eure Entscheidung geben.

- Und an alle Absolventen die ihren Dienst fürs Land getan haben. Wie wars? Was sind eure positiven und negativen Erfahrungen??



Hier mal meine Geschichte. Ich hab mich klar für den Zivildienst entschieden. Ich hätte den Dienst beim Bund zwar nicht 100% ausgeschlossen doch haben für mich viele Gründe für den Zivildienst gesprochen. Ich bin noch mitten drin und die Arbeit macht mir noch immer Spass.

Neben den Gründen dass ich nur sehr ungern eine echte Waffe anfassen und abfeuern möchte und ich mir nicht vorstellen kann einen Menschen zu erschießen war für mich vorallem ein Grund wichtig. Undzwar stand für mich der Sinn, Zweck und die Wirkung sehr wichtig für meine Entscheidung.

Der Dienst beim Bund ist natürlich auch irgendwo sinnvoll. In einem Angriffsfall würde ein Soldat bei der Verteidigung Deutschlands helfen. Sehe ich ein und ist irgendwo auch nötig. ABER da ich mir kaum vorstellen kann dass in der nächsten Zeit es dazu kommen würde dass Grundwehrleistende (GWL) eingezogen werden und aktiv helfen eine Bedrohung zu bekämpfen. Ich sehe es eher als unwahrscheinlich dass GWL irgendwann nochmal dazu kommen ihre Aufgabe zu erfüllen. Denn bis zu einem Einsatz sehe ich ihre Aufgabe nicht als getan. Solang es nicht dazu kommt helfen sie eigentlich keinem.

Beim Zivil helfen allerdings alle Zivildienstleistende (ZDL). ZDL helfen wirklich aktiv Leuten. Sie haben eine wichtige Aufgabe die sie erledigen. Und genau das war der ausschlaggebende Grund. Ich kann so helfen und wirklich einen Dienst leisten. Beim Bund meine Zeit absetzen sehe ich nicht als sehr sinnvoll.

Zwei meiner Freunde sind zur Zeit noch beim Bund. Der eine sitzt vorm PC und muss ab und zu mal nen Problem mit PCs lösen wenn nen DAU mal wieder den Stecker gezogen hat. Der andere sitzt in der Küche und wärmt essen auf um andere GWL durchzufüttern. Alle anderen Freunde machen Zivildienst oder wurden ausgemustert. Ich selbst bin im ambulanten Dienst und helfe jeden Tag 4-5 Leuten bei ihren alltäglichen Dingen die sie alleine nichtmehr schaffen könnten. Ich geh einkaufen, putzen, Wäsche waschen, Fahrten zum Arzt, Medikamente besorgen, etc. Damit helf ich vielen Leuten die diese Hilfe garnicht mehr lebensfähig wären. Viele der Leute haben Behinderungen oder sind zu alt und können einfach nicht mehr aus dem Haus.

Bis jetzt hab ich nur gute Erfahrung mit meinem Zivildienst gemacht. Ich hab einiges neues gesehen. Die Leiden der Leute sind schon sehr hart. Wenn man jemanden sieht der grade mal mitte 40 ist und sein restliches Leben nicht mehr aus der Wohnung kann. Ich hab erst durch den Zivildienst wirklich gesehen wie gut wir es doch haben wenn wir uns frei bewegen können und körperlich keine bzw. kaum Probleme haben die uns in irgend einer Weise einschränken.

Ein anderer Grund gegen den Kriegsdienst war mein Großvater. Der im zweiten Weltkrieg als Soldat drei mal unter einem Haus verschüttet wurde und dadurch sein restliches Leben lang Probleme mit der Lunge hatte.

Auch sonst bin ich gegen jegliche Art von Gewalt und für mich gibts eigentlich nur eine Lösung. Undzwar die verbale Lösung von Konflikten, die Diskussion die damit eröffnet wäre
__________________
Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich.

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Alt 09.02.2007, 07:09 Nach oben    #2
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Zitat:
Wie würdet oder habt ihr euch entschieden
Zu meiner Zeit gab diesen Zivi-Mist gar nicht, da musste man ran,ob einen das gefällt oder nicht.

Ich glaube so einige Monate beim Bund machen einen reifer, selbstbewusster, lernt verantwortung zu übernehmen und lernt wie man sich durchsetzen kann.
Alles wichtige Eigenschaften die man später im Leben gut gebrauchen kann.
Ne junge Männer sollen ruhig mal richtig geschliffen, damit sie erstmal Männer werden
Und jetzt sind es ja nur noch wenige Monate, meine fresse so schlimm ist es nun auch wieder nicht -> also Arschbacken zusammen und durch.

Ich habe da völlig andere Meinung, die sicher nicht alle verstehen werden.
CIX88 ist offline  
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Alt 09.02.2007, 08:38 Nach oben    #3
Jann Hendrik Bekaan
 
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§11 (2) 2. a) des WPflG hat mich befreit
__________________

Umfragen:
bitte beachten: Vorschläge für künftige Umfragen
Woher weißt du vom developers-guide?

Wenn du dich in ein interessantes Thema eingearbeitet hast, dann lass andere daran teilhaben! Schreibe ein Tutorial und beschreibe, wie es geht, was nicht klappt, wo man aufpassen muss usw.
Danke!
Jann Hendrik ist offline  
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Alt 09.02.2007, 08:52 Nach oben    #4
Ben
Benjamin Klaile
 
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Hi,
ich bin ausgemustert worden. Will da jetzt drüber sprechen, wieso und warum. Nehmt einfach so hin, dass ich niemanden hintergegangen, veräppelt etc. habe.


@Florian:
Jau, deine Argumente finde ich gut. Ähnliche sind mir auch durch den Kopf gegangen. Ich hätte Zivildienst gemacht, einfach weil ich erstens einfach keine Waffe in der Hand haben will und zweitens weil ich ebenso wie du den eigentlich Sinn der GWL nicht verstanden habe.

@CIX88:
Also ich hatte einen Freund, der beim Bund war. Der hat LKWs von A nach B gefahren, sich für ein weiteres Jahr verpflichtet und eigentlich in der ganzen Zeit nicht viel anderes gemacht, als geraucht, gesoffen und Ballerspiele auf der Stube gezockt.
Der kam wieder und hatte 'nen richtig guten Bierbauch.

Um mal "geschliffen" zu werden, wie du das nennst, reichen meiner Meinung nach diese paar Monate gar nicht aus. Schreibst du ja irgendwie auch selbst. "Augen zu und durch." Das schaffen wohl die meisten.

Ich bin letztlich froh, dass ich ausgemustert wurde, weil ich so durch meinen damaligen Krankheitsbefund nach der ganzen Scheiße sogar noch was Positives dafür erhalten habe ... ca. 1,5 Jahre mehr Zeit (inkl. vorgezogenem Abitur)!

Schade, dass MrNiceGuy jetzt gerade nicht an Bord ist, der könnte uns sicherlich was Nettes dazu erzählen (der ist Soldat!).

Grüße ..
Ben ist offline  
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Alt 09.02.2007, 09:12 Nach oben    #5
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Ups, hier waren wohl doch nicht so viele beim Bund ?
War selber einige Jahre, und in den ersten Monaten hat mich das tierisch angekotzt.
Aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hat es weder geschadet, oder mich sonst negativ beeinflußt und ich bin sogar dankbar dabei gewesen zu sein.
Auch wenn es vielleicht nicht jeder verstehen kann.

Ach mensch, ist schon eine komische Welt.
Ob man nun mit Browsergames rumballert oder mit echter Waffe ... najaaaaa.

Ne aber mal im ernst, die Lebendserfahrung, die die meisten dort machen, bekommt man so schnell nicht wieder.
Aber das wird einen erst geglaubt, wenn man das ganze hinter sich hat.

Zudem ist ja heute der Bund eher Urlaub als alles andere.
Jedenfalls was ich auch von anderen gehört habe.
CIX88 ist offline  
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Alt 09.02.2007, 09:39 Nach oben    #6
Ben
Benjamin Klaile
 
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Zitat:
Zitat von CIX88 Beitrag anzeigen
Zudem ist ja heute der Bund eher Urlaub als alles andere.
Vielleicht etwas überspitzt gesagt, aber das trifft ja eigentlich das, was auch Florian und ich angesprochen haben.
Ben ist offline  
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Alt 09.02.2007, 09:44 Nach oben    #7
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Ich selber kann das ja nicht wirklich beurteilen, kenne den Bund nicht, aber was ich halt von so vielen anderen (ausser hier im Forum) gehört habe ... muss es dem ja nahe kommen

Wie war das ?
Ist der Bund nicht eine Werktags-Armee ?
CIX88 ist offline  
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Alt 09.02.2007, 10:05 Nach oben    #8
Martin Breuer
 
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Zitat:
Ist der Bund nicht eine Werktags-Armee ?
Mein Kumpel der beim Bund war meinte, die Grundwehrdienstler sind im Verteidigungsfall diejenigen, die den Gegner solange aufhalten und beschäftigen sollen bis die richtigen Soldaten kommen.

Meine Geschichte:
Ich hab Zivi gemacht und war von vornherein darauf aus Zivi zu machen. Zum großen Teil weil es aus meinem Familienkreis so erwartet wurde, im nachhinein aber aus nur einem Grund: Ich denke nicht das Deutschland eine Armee braucht und auf Menschen schießen wollte und will ich immer noch nicht.

Mir hat der Zividienst viel gebracht. In dem Altenheim in dem ich gearbeitet habe, hatte ich echt ein kompetentes Team um mich rum. Sowohl fachlich als auch menschlich Kompetent. Ich habe erlebt wie mit sterbenden Umgegangen wird, ich habe erlebt was es heißt in Würde zu sterben. Ich habe gesehen was es heißt ne arme Sau zu sein und im wahrsten Sinne durch die eigene Körperflüßigkeit zu ertrinken (Wasserlunge, der behandelnde Arzt weigerte sich durch Morphiumgabe der Dame die Schmerzen und das Bewusstsein zu nehmen). Krasse Erfahrungen die ich erst nach gut einem Jahr Abstand zum Zividienst hab schätzen gelernt.

Bund kann ich denjenigen empfehlen, die ersten mit Waffen keine Probleme haben und sonst vielleicht wenig Chancen auf Ausbildung/Job haben. Geht zum Bund und werdet Berufssoldat oder lasst euch dort zu einem Beruf ausbilden. Ihr verdient so schnell so gut, dass ist Wahnsinn...
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WarrenFaith ist offline  
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Alt 09.02.2007, 10:18 Nach oben    #9
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Stimmt auch wieder, in Zeiten von Hartz wäre das erstmal eine Alternative.
Jedenfalls besser als nach Zividienst keine Perspektivie zu haben und am Rechner zu versauern.
CIX88 ist offline  
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Alt 09.02.2007, 10:44 Nach oben    #10
Blubb... öfz
 
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@Jan, du bist Staatenloser?

Ich wurde letztes Jahr im Oktober ausgemustert. Zuerst dachte ich, lass ich mich doch mustern.. Aber dann... Als ich diese (sorry) Witzfiguren gesehen habe, hab ich mir schnell irgendne Story ausgedacht, die mir prompt geglaubt wurde (man sagt mir oft nach, ich wär ein guter Schauspieler )


Ich wollte auch nicht unbedingt Zivi machen, eventuell, wenn ich gemustert worden wäre, denn

1. würde ich dann meiner Mum noch länger auf der Nase hocken
2. möchte ich so früh wie möglich mit dem Studieren anfangen
Da möchte ich einfach nicht noch ein Jahr warten. Hab ich nun schon lang genug.
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Alt 09.02.2007, 16:21 Nach oben    #11
Der Student
 
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Das was WarrenFaith gesagt hat kann ich nur bestätigen. Ich hab auch mit solchen Leuten zutun die solangsam an die Ende ihrer Tage kommen. Ich hab in den paar Monaten die ich jetzt schon dabei bin so viel neues gesehen und so viele Erfahrungen gemacht.

Zitat:
Zitat von CIX88
Ich glaube so einige Monate beim Bund machen einen reifer, selbstbewusster, lernt verantwortung zu übernehmen und lernt wie man sich durchsetzen kann.
Alles wichtige Eigenschaften die man später im Leben gut gebrauchen kann.
Ne junge Männer sollen ruhig mal richtig geschliffen, damit sie erstmal Männer werden
Das mag so stimmen für den Bund, aber beim Zivildienst trifft dies genauso zu.
Ich sehe viele Dinge seit dem Zivildienst anders und fühl mich dadurch reifer. Auch Verantwortung hab ich bei meinem Job. Durchsetzungsvermögen ... naja wo muss man sich biem Bund durchsetzen? Man muss doch nur folgen. Und sich gegen ältere Leute durchzusetzen ist garnicht so einfach!

Und dass man zum Bund muss um nen richtiger Mann zu werden
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Alt 09.02.2007, 17:45 Nach oben    #12
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Zitat:
naja wo muss man sich biem Bund durchsetzen?
Wenn man z.B. selber Zugführer ist, und eine ganze Horde Soldaten ausbilden muss.
Und wenn die auch noch älter sind, als selber, dann musste dich durchsetzen.
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Alt 09.02.2007, 17:48 Nach oben    #13
Der Student
 
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Stimmt. Mehr kann man dazu nich sagen ^^
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Alt 09.02.2007, 17:56 Nach oben    #14
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Naja, ich sehe nicht aus wie Anorld, bin eher schlanker Natur und auch nicht sehr groß.
Wenn dann ein Soldat vor dir steht, der dir regelrecht auf den Kopf spucken kann, oder dir so eine in die Fresse kloppt, dass man nimmer aufsteht, ja dann musste dir schon Respekt verschaffen.
Und wenn dein Dienstgrad höher ist, willste ja nicht als Pfeiffe in der Ecke stehen und Heulen oder ?

Ist Krass geschildert, aber ähnlich ging es mir.
Und durch solche Sachen lernt man ganz schnell sich durchzusetzen.
Was auch im heutigen Leben gut zu gebrauchen ist.
Aber das ist eher ein Nebeneffekt.

Ich brauch auch nicht erwähnen, dass man ganz schnell Dizziplin und Ordnung lernt.
Nichts mit Klamotten in die Ecke, Feierabend und von Mutti das Abendbrot zubereiten lassen

Sorry, ich hör lieber auf, bevor ich mich unbeliebt mache ...
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Alt 09.02.2007, 18:07 Nach oben    #15
Ben
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Zitat:
Zitat von CIX88 Beitrag anzeigen
Sorry, ich hör lieber auf, bevor ich mich unbeliebt mache ...
Wieso?
Ich muss auch sagen, dass man, wenn man denn Glück hat und nicht so ganz viele Idioten in seiner Truppe da hat, sicherlich einiges lernen kann, gerade was Gehorsam, Respekt und Disziplin angeht. Das hätte ich auch gerne mitgenommen. Nicht, dass ich jetzt ungehorsam oder so wäre .. ihr wisst, was ich mein, ne?

Also ich find das schon immer interessant, wenn Leute darüber berichten können. Und in deinem Fall ist es ja sogar eine andere Zeit. Wie du selbst sagtest, eine Zeit, in der du gar keinen Zivi hättest machen können.

Wie gesagt: Ich finds interessant.
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Alt 09.02.2007, 21:32 Nach oben    #16
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Natürlich gibt es auch wahnsinnig viele schöne Dinge, an die man sich später immer wieder errinnert, oder Dinge wo man noch Jahre danach lachen muss.

Oder wer hat schon mal mit einen Oberstleutnant auf einen Klo eine Flasche Klaren aus Kaffeetassen gesoffen, mit AK-47 sinnlos auf russische alte Panzer geballert, sich das Frühstück von Soldaten ans Bett bringen, oder unter der Dusche das Maßband vergliechen und die EK-Tage zählen, oder irgendwelche Deppen im Feld löscher butteln lassen usw. usw. usw.

Die Anfangszeit war nicht wirklich zum lachen, ich habe jeden einzelnen Tag verflucht.
Meine Fresse wenn ich an die Spielchen denke, die unsere Ausbilder mit uns gemacht machen
Mit Rasierklingen den Dreck an Wasserhähnen abkratzen, mehere Packungen Waschpulver wunderbar gleichmäßig im Duschraum verteilt, Liegestütze um 23 Uhr (weil wir heimlich am Fenster geraucht haben) ... ach und so viel andere Dinge, da könnte man ein Buch schreiben.
Aber ... irgendwann war ich soweit, und die netten Spielchen habe ich mit anderen gemacht - sprich neue grüne Jungs auf der Bude

Nun wenn heute jemand Zivi machen will, wird er sicher seine Gründe haben.
Was ich allerdings oft als Grund gehört habe „ich nehme keine Waffe in die Hand”.
Naja, das kann ich nicht wirklich verstehen.
Überwiegend schiesst man nur auf Klappscheiben
(Nachtschießen ist übrigens geil, mit Leuchtpatronen)

Was ich auch gut finde, wer bis dato nicht Teamfähig war, lernt auch dies ganz schnell.
Es gibt viele Dinge, wo die Leistung einer kompletten Truppe bewertet wird, nicht die Leistung des einzelnen.
Wer bis dato eher ein ruhiger Typ war, und ich war das mal, ändert sich ganz schnell.

Im Grunde könnte ich berichten, berichten und nochmals berichten.
In den Jahren wo ich meine Zeit dort verbracht habe, habe ich genug gesehen, erlebt und reichlich Erfahrungen gesammelt, die ich natürlich heute umsetze und einsetze.
Und irgendwie bin ich auch froh, dabei gewesen zu sein.
Wenn ich mir heute meine Andenken von damals so ansehe (EK-Tuch, Koppel, Hundemarke und/oder andere andere Dinge) muss ich sagen, sch.. drauf so schlimm war es doch ist.
Spass hat es auch gemacht.

Ne, muss mich jetzt bremsen bevor ich alles hier volltippe.
Fakt ist, nach der Zeit kann man was erzählen.
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Alt 10.02.2007, 00:10 Nach oben    #17
leftover when bar closes
 
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Die Diskusion ist interessant, und genauso wahrscheinlich ist es, auf einen abschliessenden Punkt zu kommen, wie bei dem Thema-Klassiker Religion.
Fast in allen Punkte bin ich deiner Meinung CIX. Die Armee als Lebensschule.

Zitat:
Zitat von warrenfaith
Ich denke nicht das Deutschland eine Armee braucht und auf Menschen schießen wollte und will ich immer noch nicht.
Was bei den Argumenten gegen die Armee oft vergessen wird ist, dass die Koordination der globalen Verteidigung und terriorialen Raumsicherung im Bezug auf Kriege bei Weitem nicht die Hauptaufgabe der Armee ist (Dies mag in anderen Staaten und Staatsformen logischerweise anders sein - ich spreche von Deutschland und der Schweiz).
- Bevölkerungsschutz und Erhaltung der fundamentale Lebenserhaltungseinrichtungen wie EKW und AKWs, Benzindepots
- Viele subsidiäre Einsätze zugunsten der zivilen Behörden in Bezug auf Verkehrsregelung und -Sicherheit, Unterstützung bei Demonstrationen und Krawallen
- Friedensförderung und dessen Erhaltung sowie Förderung der Demokratie und Achtung der Menschenrechte, humanitäre Hilfe in grossem und organisiertem Stil
- Objektschutz (Das Bundeshaus (=Reichstag?) braucht keinen Schutz, mehr aber Hauptverkehrsachsen, , internationale Einrichtungen wie der Sitz der UNO, CERN...), Botschaftsschutz, Grenzüberwachung, innere wirtschaftliche Sicherheit..........
- Und schlussendlich die erziehungsunterstützende Funktion der Jugend, ein wichtiger Teil in der heutigen Zeit der häufigen Überforderung der Familien und Lehrer.

Die Aufgaben und Interessen sind im Bezug auf unsere (militärische) Neutralität bestimmt leicht verschieden als in Deutschland, die Parallelen sind aber klar.

Ich kann mir keine Schweiz ohne Armee vorstellen, noch nicht, und befürworte sie. Dennoch teile ich meine politische Einstellung mit den vielen Gegnern der Armee: die heutige Form ist zu teuer, zu gross (140'000 aktive, 80'000 Reserve - viel zuviel für unsere kleine Bevölkerung), nicht modular genug und deshalb schwerfällig. Mit der Armeereform XXI wurde ein neuer Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber noch nicht genug.
Wie schon gesagt wurde, verbringen viele Soldaten ihre Zeit mit Biersaufen und Däumchen drehen... Durch sinnvollere und realitätsgetreuere Ausbildung, besserer Strukturen und besser ausgebildeten Führungskräften könnte die Rekrutenschule mindestens halbiert und mehr als verdammt viel Geld gespart werden. Es spricht viel gegen die Armee...

Persönlich gesehen aber, und darum geht es glaube ich prinzipiell in diesem Thread, hat mir die Armee viel gebracht. Während meiner 11-monatigen Dienstzeit bei der Schweizer Luftwaffe habe ich unglaublich viele gute und noch mehr schlechte Erfahrungen gemacht, die ich nicht, keine von ihnen, missen möchte. In keiner anderen Institution hätte ich in einem solch frühen Alter gelernt, die Menge an Verantwortung zu übernehmen, soziale Kompetenzen zu verbessern, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln etc wie in der Armee. Vom finanziellen Überschuss, der mir eine dreimonatige "gratis"-Südamerikareise ermöglicht hat ganz zu schweigen.
13 der neuen Rekruten habe ich während 21 Wochen permanent führend begleitet, regelmässig Unterricht vor bis zu 60 Rekruten über ein Thema gegeben, was mich hinten und vorne nicht interessiert hat und mir die Vorbereitung gestunken hat wie ein Haufen frischer Scheisse, Ausbildungsübungen für die Hälfte der Kompanie vorbereitet und durchgeführt... Märsche, sinnlose Übungen, sich unterordnen können - über den eigenen Schatten springen und den Finger mal aus dem Arsch nehmen, etwas, was viele junge Erwachsene nicht können.

Während meiner Kaderausbildung durfte ich an einem zivil-orientierten Führungskurs teilnehmen, welcher im zivilen für mich finanziell nicht bezahlbar gewesen wäre. Die Module Selbstkenntnis, persönliche Arbeitstechnik, Kommunikation/Information, Konfliktmanagement und Führung der Gruppe kann ich im Zivilen heute sehr gut gebrauchen.

Gute Erfahrungen gab es zu Hauf, und, zurückblickend, überwiegen sie die vielen schlechten bei Weitem.
Die wohl beste Erfahrung habe ich im Sommer 2005 gemacht, als massive Überschwemmungen rund um Luzern, wo wir stationiert waren, hunderte von Keller geschwemmt haben, Strassen runterriss, Autos wegspühlte, Holz bis ins Stadtzentrum transportierte und ein unglaubliches Chaos anrichtete. Ich war damals noch Rekrut und habe zum ersten Mal einen Sinn in der Armee erkannt. Unsere Schule wurde von den örtlichen Behören um Katastrophenhilfe gebeten und innert kurzer Zeit wurde eine Unmenge an Hilfskraft mobilisiert, welche während fast 5 Tagen im nahezu 24-Stundenbetrieb primär Verkehr regelte, Hilfsgüter an die Bevölkerung verteilte und die unendlich vielen Keller von Privaten, Kirchen und Firmen (Zb einer Matrazenfabrik - mit Schlamm vollgesogene Matrazen) vom Schlamm und ausgelaufenen Heizöltanks befreite.



Die Armee macht für mich Sinn... Aber genug geschrieben, hier als Abschluss noch der Punkt, in welchem ich klar gegen dich bin CIX:

Zitat:
Zitat von ljungi
Zuerst dachte ich, lass ich mich doch mustern.. Aber dann... Als ich diese (sorry) Witzfiguren gesehen habe
Genau das sind sehr viele - lächerliche, armselige Witzfiguren. Die Armee ist ein riesiger Kindergarten mit einem überhöhten Testosteronspiegel.

Zitat:
Zitat von CIX88
Aber ... irgendwann war ich soweit, und die netten Spielchen habe ich mit anderen gemacht - sprich neue grüne Jungs auf der Bude
Was soll denn der Scheiss? Ich weiss zwar nicht, wie das früher war, aber, dass es heute wohl noch nicht sehr viel anders ist. Der grosse Teil der Vorgesetzten in Rekrutenschulen sind jung, haben wenig Erfahrung und zum ersten Mal in ihrem Leben in einer Sache was zu melden - führt unweigerlich zum Kompetenzmisbrauch und zur schlechten Stimmung.

Der grösste Feind eines Vorgesetzten ist die Untergrabung ihrer Autorität durch die Unterstellten. Die einfachste und zugleich dummste Lösung bzw. Führungsmethode ist meinerseits die am häufigsten praktizierte: den Dienstgrad als Mauer vorschieben, die Soldaten permanenter Unterdrückung und sporadischen Demütigung in Form von sinnfreien Übungen oder "Strafen" aussetzen und dabei den grossen Macker markieren. In meiner Dienstzeit habe ich soviele solcher Pampbirnen kennengelernt, dass ich mir oft an den Kopf langen musste. Der autoritäre Führungsstil funktioniert zwar bis zu einer gewissen Stufe unter diversen Gegebenheiten, kann meiner Meinung nach aber nicht der richtige Weg sein. Disziplin muss in einer solch grossen Institution herrschen und zum richtigen Zeitpunkt gelehrt und durchgesetzt werden, auch Massnahmen gegen schwarze Schafe braucht es - der Macho hat auf Platz aber bestimmt nichts zu suchen.

Ich habe mich entgegen der Warnungen meiner Vorgesetzten und dienstgleichen Kollegen dafür entschieden, mit meinen Leuten in der sechsten Ausbildungswoche per du zu machen... hat geklappt, ab da super Arbeitsklima in der Gruppe, Motivation und Arbeitslust pur, auch in scheiss Zeiten...
Wer weiss, würde die allgemeine Meinung der Bevölkerung und auch der Sinn einer Armee nicht ein bischen verbessert, würde die Armee mal endlich anfangen, effizienten, praxisbezogenen Unterricht "anbieten", und zwar auf humanere und menschenorientiertere Art und Weise???

Ansonsten kann ich deinen letzten Post zu 100% unterschreiben.

Soviel zu meiner Armeestory.
Bin übrigens auch pro Zivi: es ist einfach ein völlig anderer Schuh. Meine Entscheidung war die Armee, aber da muss man wohl dabeigewesen sein...
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Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner.
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Geändert von dsxs (10.02.2007 um 00:21 Uhr).
dsxs ist offline  
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Alt 10.02.2007, 11:50 Nach oben    #18
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Ich muss noch meinen Dienst leisten

Hab noch ein Jahr Zeit, aber mach mir auch schon Gedanken drum.



Für mich wäre der Dienst an der Waffe das richtige, Zivi kann man immer machen (Soziales Jahr...).


Aber ich bin mir noch nicht ganz sicher und hab ja noch Zeit ^^
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mouCe ist offline  
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Alt 10.02.2007, 13:21 Nach oben    #19
n00b -.-
 
Benutzerbild von Bookworm
 
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Hmm hab noch n bissel Zeit dahin... Aber vermutlich werde ich eh ausgemustert (Schaden am Hüftgelenk)... Und wenn nicht - tja dann mach ich wohl Zivi...
Ich glaub nämlich nicht wirklich, dass der Budn so mein Ding wäre... Ich bin nur dann diszipliniert, wenn ich es sinnvoll finde, und mache nur dann das, was ich nicht will, wenn man mit Strafen droht...

Oder man machts so wie ein Kumpel von mir und tut bei der Musterung einen auf verrückt... (Zitat: "Krieg' ich dann ne echte Waffe??!" mit psychopatischem Blick...)... Naja gut, um das zu kapiern müsstet ihr wissen wei der sonst so drauf ist... Stichwort: nachs auf dem Friedhof Marshmallows über Grabkerzen grillen...
Kann aber auch daneben gehen: Ein Bekannter meiner Eltern ist in die Psychatrie eingewiesen worden, weil er den Irren gemimt hat...

Hat aber nur am Rande was mit dem Thema zu tun.

Gruß
Booki
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Alle wollen doch nur mein Bestes. Aber sie werden es nicht kriegen!
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Alt 10.02.2007, 18:00 Nach oben    #20
Martin Breuer
 
Benutzerbild von WarrenFaith
 
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Zitat:
mache nur dann das, was ich nicht will, wenn man mit Strafen droht...
haste doch beim Bund. Gehorsamsverweigerung kann mit Knast belegt werden.
Zitat:
Ein Bekannter meiner Eltern ist in die Psychatrie eingewiesen worden, weil er den Irren gemimt hat...
Rofl... also sich 2 oder 3 Atteste holen ist ja nicht gerade das Problem, da kann mans auch einfacher machen. Oder sich einfach total dumm anstellen und alles 2 mal fragen.
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Weiterbildung während dem Zivildienst robo47 Plauderecke 2 14.10.2005 12:34


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